Was ist Doping? Eine Begriffsbestimmung in aller Kürze.

Um sich dem Gegenstand Doping zu nähern, bedarf es meines Erachtens einer Einordnung des Begriffes Doping. Was bedeutet er? Wie wird er definiert? Der Artikel soll genau das leisten und auf wissenschaftlicher Basis, was Doping bedeutet.

Doping zu definieren ist nicht leicht. Das beginnt schon mit der Ethymologie des Wortes. Für die Begriffsbestimmung gibt es verschiedene Erklärungen. Ursprünglich stammt der Begriff Doping aus der Eingeborenensprache des südafrikanischen Stammes der Kaffern. Der Schnaps „dop“ mit stimulierender Wirkung wurde bei Feiern und Kulthandlungen getrunken und regt den Kreislauf und das Nervensystem an. Der Begriff wurde von den Engländern übernommen und 1889 erstmals in ein englischsprachiges Lexikon aufgenommen. Demnach handelte es sich bei Doping um eine Mischung aus Opium und Narkotika, die in dieser Zeit bei Pferderennen verabreicht wurde (vgl. Daumann 2013: 3). Erste Definitionen des Begriffs Doping wurden 1928 erstmals von der IAAF, dem Welt-Leichtathletikverband, konkretisiert. Es bezeichnete den Gebrauch eines im Normalfall nicht verwendeten Mittels zur Leistungssteigerung über die Durchschnittsform hinaus (vgl. dazu Clasing 2004: 18).

Laut der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA 2015: 18) bezeichnet Doping „the occurrence of one or more of the anti-doping rule violations set forth in Article 2.1 through Article 2.10 of the Code.“ Doping ist die Verwendung von Substanzen aus den verbotenen Wirkstoffgruppen und die Anwendung verbotener Methoden. Dieser enumerativen Sichtweise folgt auch Daumann (2008: 5 f.):

„In summa handelt es sich bei Doping um den Einsatz von leistungssteigerndern Mitteln, der auf Grundlage übereinstimmender, aber nicht hinreichend konkretisierbarer sportethischer Wertvorstellungen abgelehnt wird. Um ein Dopingverbot jedoch wirksam durchsetzen zu können, bedarf es eines justiziablen Tatbestandes. Eine Orientierung an den normativen Vorstellungen erfordert zum Zwecke einer ausreichenden Justiziabilität des Tatbestands Doping den Verzicht auf eine Universaldefinition und erzwingt, Doping enumerativ zu definieren, also über eine Liste, auf der entweder sämtliche erlaubten Handlungen (‚Positivliste‘) oder eben alle unerlaubten Handlungen (‚Negativliste‘) in diesem Kontext aufgeführt sind.“

Die Begriffsbestimmung von Doping hängt eng mit der Drogenbekämpfung im Laufe des 20. Jahrhunderts zusammen. Drogenabhängige wurden fortan nicht mehr als Kriminelle, sondern vielmehr als behandlungsbedürftige Kranke angesehen. Der Fokus liegt also auf der Betonung gesundheitlicher Risiken. Beim Doping geht es weniger um Gesunderhaltung, sondern um das Überschreiten physischer Leistungsgrenzen. Infolgedessen wurden auch regulative Maßnahmen zur Eindämmung von Doping im Sport ergriffen (vgl. Reinold 2016: 140, 157f.).

Es gibt jedoch unterschiedliche Herangehensweisen an dieser Auslegung. Generell dopt ein Sportler, wenn er gegen die global geltenden Regeln der WADA, die in Artikel 1 und 2 des Welt-Anti-Doping-Codes (vgl. WADA 2015) festegelegt sind, verstößt. Diese verbieten weiterhin den Besitz und die Weitergabe verbotener Substanzen, die Mitbeteiligung, Unterstützung oder Anstiftung zur Anwendung oder den Versuch der Anwendung verbotener Mittel oder Methoden. Das Verweigern oder Nichteinhalten von Dopingkontrollen ohne triftigen Grund oder der Betrugsversuch bei Kontrollen wird außerdem als Doping aufgefasst. Die WADA-Definition öffnet jedoch Tür und Tor für kreative Möglichkeiten, mit nicht aufgeführten Mitteln und Methoden zu dopen, um eine Leistungssteigerung zu erzielen. Es gilt, frei nach Friedrich Schiller (2005: 25): „Was nicht verboten ist, ist erlaubt.“[1] Eine Reihe von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln stehen beispielsweise nicht auf der Dopingliste der WADA[2], obwohl sie leistungssteigernde Effekte haben.[3] Für andere Mittel gibt es medizinische Ausnahmegenehmigungen,[4] wie sie beispielsweise bei Asthma verteilt werden und somit zum Beispiel die Einnahme des künstlichen Steroidhormons Kortison gestatten (vgl. NADA 2017). Diese wenigen Beispiele offenbaren das Dilemma, in dem sich Dopingbekämpfer befinden. Sie beteiligen sich an einem Katz-und-Maus-Spiel, bei dem sie schon vor dem ersten Zug wissen, dass sie den Kürzeren ziehen werden. Doping wird es daher immer geben. Und was als Doping gilt oder als solches verwendet wird, erfahren die Fahnder meistens erst, nachdem es bereits mehrere Runden im Umlauf war.

Anmerkungen:

[1] Analog dazu kritisiert Gert G. Wagner (2015: 82) das aktuelle System einer Dopingliste, denn: „Mit diesem System wäre der perverse Anreiz ausgeschaltet, den die Doping-Verbotsliste erzeugt: ‚was nicht auf der Liste steht ist erlaubt. Wer findig ist, der geht mit Sicherheit straffrei aus.‘“ Marcel Reinhold (2016: 93 f.) betont die Findigkeit der Sportler, stets nach Mitteln und Methoden zu suchen, die sich womöglich innerhalb eines Graubereichs bewegen, aber nach geltenden Regularien erlaubt sind.

[2] Die WADA ist verantwortlich für den Kampf gegen Doping und wurde in Folge des Doping-Skandals der Tour de France 1998 gegründet. 2003 wurde der Welt-Anti-Doping-Code ins Leben gerufen (vgl. Schänzer/Thevis 2004: 232; Vest Christiansen 2005: 497 f.).

[3] Das Zentrum für Präventive Dopingforschung der Deutschen Sporthochschule Köln (ZePräDo) gibt seit 2006 die sogenannte „Kölner Liste“ zur Information über erlaubte und nachweislich getestete Nahrungsergänzungsmittel mit geringem Dopingrisiko heraus (vgl. Kölner Liste 2017; Wagner 2015: 69, Anm. 9).

[4] Dabei handelt es sich um sogenannte ‚Therapeutic Use Exemptions‘, kurz ‚TUEs‘, die die Präsenz von eigentlichen Dopingmitteln erlaubt, sofern dafür eine Ausnahmegenehmigung existiert (vgl. WADA 2015: 31 ff.).

[5] Für einen umfassenden Überblick zur Entwicklungsgeschichte von Anti-Doping-Bestimmungen vgl. Reinhold (2016: 71 ff.).

Literatur:

Clasing, Dirk 2004. Doping und seine Wirkstoffe. Balingen: Spitta,

Daumann, Frank 2013. Die Ökonomie des Dopings. 2., neu bearb. Aufl. Berlin: Erich Schmidt (Sportmanagement, 5).

Kölner Liste 2017. Doping-Prävention im (Spitzen-)Sport. Online verfügbar unter https://www.koelnerliste.com/hintergrund/, zuletzt geprüft am 09.07.2017.

NADA 2017. Beispielliste zulässiger Medikamente. 23., geänd. Aufl. (NADA-Materialien, 60). Online verfügbar unter https://www.nada.de/fileadmin/user_upload/nada/Downloads/Listen/170112_Beispielliste_zulaessiger_Medikamente_2017.pdf.

Reinold, Marcel 2016. Doping als Konstruktion. Dissertation. Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Münster. Online verfügbar unter https://doi.org/10.14361/9783839437612.

Schänzer, Wilhelm; Thevis, Mario 2004. Doping und Dopinganalytik. Wirkstoffe und Methoden. In: Chemie in unserer Zeit 38 (4), S. 230–241. DOI: 10.1002/ciuz.200400300.

Schiller, Friedrich 2005. Wallenstein. Ein dramatisches Gedicht. In: Friedrich Schiller und Hans-Günther Thalheim (Hg.): Sämtliche Werke. [in zehn Bänden]. Berliner Ausg. Berlin: Aufbau-Verl., S. 7–282.

Vest Christiansen, Ask 2005. The Legacy of Festina. Patterns of Drug Use in European Cycling Since 1998. In: Sport in History 25 (3), S. 497–514. DOI: 10.1080/17460260500396384.

WADA 2015. World-Anti-Doping-Code. Online verfügbar unter https://www.wada-ama.org/sites/default/files/resources/files/wada-2015-world-anti-doping-code.pdf, zuletzt geprüft am 10.07.2017.

Wagner, Gert G. 2015. Un-Kultur: Doping im (Hochleistungs)Sport. In: Jörg Rössel und Jochen Roose (Hg.): Empirische Kultursoziologie. Festschrift für Jürgen Gerhards zum 60. Geburtstag. Unter Mitarbeit von Jürgen Gerhard. Wiesbaden: Springer, S. 65–102.

Werbeanzeigen